Projekt "Peter Robert"

Vom zweiten Leben eines "Schulschiffes".

Wie alles begann:

Im Januar 1979 koordinierte Arthur Doerwaldt, SV 03, damals Fahrtenobmann und Obmann für das Führerscheinwesen, einen Modellversuch des Deutschen Segler-Verbandes zum „Mannschaftssport und Fahrtensegeln". Er schreibt dazu in einer Konzeption für eine Vorstandssitzung des BSV im Januar 1979 zum „sportpädagogischen Aspekt": (Zitat) „Opti-Segler bekommen Gemeinschaftserlebnisse nur an Land oder vom Steg vermittelt, im Boot sind sie allein oder »ferngesteuert«. Nunmehr erfolgt Segeln als Mannschaft: alle an Bord sind am Geschehen beteiligt, keiner kann sich aus dem Prozess der Gruppenbildung ausschließen. Probleme beim und Spaß mit dem Segeln werden gemeinsam erlebt, erlitten und besprochen, wie auch die offenkundig werdenden Probleme der Jugendlichen. " Drei Monate später kam das neue „Schulschiff" des Berliner Segler-Verbandes in den heimischen Gewässern an und wurde anlässlich des Deutschen Jugend-Seglertages an den Verband übergeben: Ein von J.-C. Meyran gezeichnetes offenes, ketschgetakeltes Sperrholzschiff vom Typ Le Mentor der Werft Stephan aus Concarneau an der bretonischen Küste.

Getauft wurde es schließlich am 24.05.1979 auf den Namen „Peter Robert", in Anlehnung an den damaligen Präsidenten des Berliner Segler-Verbandes, Dr. Peter Robert Richter aus dem TSC.
Der 24.05.79 ist insofern erwähnenswert, weil es Himmelfahrt war und Ängstliche wie Abergläubische sofort an ein Himmelfahrtskommando dachten. Aber es war keins. Zwanzig Jahre segelte die Ketsch ohne Klabautermann, ohne bemerkenswerte Ereignisse, die auf den Tag der Taufe zurückzuführen wären. Das heißt, einmal kam es zu einem kleinen Unfall, den man aber nicht jenem ominösen Kobold der Seefahrer anlasten kann, sondern eher der Unerfahrenheit des jugendlichen Schiffsführers. Der Schaden war gering und hatte keine Auswirkungen auf den Fortbestand des Projekts und die Zukunft des Schulschiffes.

In dieser Zeit wurden viele Jugendliche zum Segeln, respektive zum Fahrtensegeln ausgebildet und legten erfolgreich ihre Prüfung zu den amtlichen wie den Verbands-Führerscheinen ab. Etliche Jugendliche qualifizierten sich als Bootsführer und vertieften damit ihre Führungsqualität und Entscheidungskompetenz, u.a. auch Axel Heinrich vom TSC. Im Rahmen der Ausbildungsfahrten und Lehrgänge kreuzte die „Peter Robert" im Juni 1986 auch auf Tegeler Gewässern. In dem Fahrtenbericht heißt es u.a. (Zitat): „Der herzliche Empfang der PETER ROBERT- Jugendlichen durch den TSC-Vorsitzenden und einige Mitglieder gaben uns von Anfang an das gute Gefühl, ein gern gesehener Gast zu sein. In den folgenden vierzehn Tagen konnte die PETER ROBERT-Stammcrew unter Anleitung ortskundiger Tegeler Jugendlicher ein neues Revier kennen lernen." An anderer Stelle schreibt der Schiffsführer: „...ich hatte ein Mal zwischen den vielen Inseln Orientierungsschwierigkeiten. .." Doch der Unterhalt eines solchen Schiffes ist teuer. 1987 mussten für mehr als 2.000,-DM neue Segel, Groß, Besan und Genua, beschafft werden. Ein Jahr später wurden 4.000,- DM für notwendige Reparaturen am Rumpf benötigt. Frank Tusche, damals Landesjugendobmann, ist es zu verdanken, dass immer wieder Geldquellen aufgetan wurden, aus denen die notwendigen Reparaturen bezahlt werden konnten.

So haben der Landessportbund Berlin, der DSV und die Kreuzer-Abteilung immer wieder hilfreich unter die Arme gegriffen. Bereits 1995 hatte der BSV versucht, das Schiff durch einen Neubau zu ersetzen, doch die veranschlagten Kosten von 50.000 bis 70.000 DM waren vom Berliner Segler-Verband alleine nicht aufzubringen. Auf der Suche nach Sponsoren entsann man sich des Initiators dieses Modellversuchs, dem DSV bzw. und dem großen Förderer dieser Idee, der Kreuzer-Abteilung im DSV. Doch beide winkten ab. So siechte unser Patient weitere zwei Jahre vor sich hin und verfiel zusehends. Bis dann der Vorstand des Berliner Segler-Verbandes schweren Herzens den Entschluss fassen musste, sich von diesem Schiff zu trennen.

Dieses war dann gleichzeitig die Stunde der Wiedergeburt.

Da unsere Jugendarbeit sowieso in etwas andere Bahnen gelenkt werden sollte, kam für uns ein solches Objekt gerade recht. Wir konnten uns gegen einen etwas halbherzigen Mitbewerber durchsetzen und erhielten den Zuschlag. Ein erste Besichtigung zeigte, dass offensichtlich einige Jahre nur sehr wenig bis gar keine Arbeit in das Schiff investiert worden war. Im Herbst `97 wurde die Peter Robert von der Scharfen Lanke in unseren Verein überführt. Da bei uns das Aufslippen schon gelaufen war, blieb bloß noch ein Plätzchen auf dem Uferstreifen. Der Winter meinte es gut mit uns  und fand praktisch nicht statt. Dadurch gelang es, das Boot so rechtzeitig herzurichten, dass das Abslippen der anderen Boote nicht behindert wurde.

Nachdem 2 m² Sperrholz, 4 Kg Epoxi, diverse Mahagonileisten und 7 kg VC-Tar verbaut und verkleckst wurden, schien die Peter Robert bereit für ein neues Leben im Wasser. Doch nach der ersten Wasserung am 7.4.98 zeigte sich die Rache der schnellen Tat: Es war versäumt worden, einige Hilfsschraubenlöcher zu verspachteln, sodass sich einige kleine Springbrunnen in der Bilge auftaten. Also, alles retour, Löcher abgedichtet und am 8.4. ein erneuter Versuch. Diesmal verlief alles planmäßig, nach dem Abslippen wurde der vorgesehene Stand belegt. Mit Hilfe von Teilen der Jugendabteilung wurden die Masten gestellt. Jetzt stand einem Erscheinen der Peter Robert auf dem Ansegeln `98 nichts mehr im Wege.
Die bisher durchgeführten Arbeiten mussten sich wegen der knappen Zeit auf das Unterwasserschiff beschränken. In den nächsten Jahren werden dann Arbeiten oberhalb der Wasserlinie und im Inneren des Schiffes stattfinden. So sind z.B. nach und nach einige Bodenwrangen zu ersetzen. Die Backskistendeckel sind stark verrottet, auch soll der komplette Überwasseranstrich erneuert werden. Die massiven Mahagoniteile werden wieder in ihrem natürlichen Glanz erstrahlen. Für diese Arbeiten soll die Peter Robert im Winter in der Baracke aufbewahrt werden, die dann jeweils an einigen Tagen auf Arbeitstemperatur geheizt wird. Dadurch werden die Arbeiten an den privaten Booten im Frühjahr nicht behindert, auch wird das Clubleben in den Winter hinein verlängert. In diese Arbeiten sollen natürlich auch interessierte Jugendmitglieder einbezogen werden. Das erste "Peter Robert Wochenende" wird vermutlich am 7.+ 8.11.98 stattfinden.
Da bekanntlich gutes Werkzeug die halbe Arbeit ist, wurden eine Hobelbank und Arbeitsscheinwerfer angeschafft.

Wie es weiterging, könnt ihr unten in den entsprechenden Jahren nachlesen.

Saison 98 der Peter Robert            Einige Erläuterungen zu zweimastigen Schiffen
Saison 99 der Peter Robert
Saison 00 der Peter Robert
Saison 01 der Peter Robert

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